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fleisch

Montag, 7. März 2005

Fleisch

„Fleisch“ sagte sie. „Und was noch?“ fragte ich. „Eigentlich nichts. Nur Fleisch“.

Die Geschichte begann 14 Tage zuvor. Ihr Foto in diesem Single-Forum hatte wohl archaische Instinkte in mir angesprochen. Dieses Lara-Croft-Outfit war einfach unglaublich sexy. Dass solch eine Frau auf meine Mail antwortete, fand ich ungewöhnlich und aufregend, doch als wir das erste Mal miteinander telefonierten, merkte ich, dass ich wohl nicht der Mensch bin, der zu Lara Croft passt.

Als ich ihr von meinem Eindruck des Telefonats schrieb, entgegnete sie, es sei doch wichtig, sich bei einer realen Begegnung ein wirklich direktes Bild des anderen zu machen. Na gut, mein Leben besteht nicht gerade aus dringenden geschäftlichen Terminen, also verabredete ich mich mit ihr zum Essen. „Was isst Du denn gern?“ fragte ich sie am Telefon? „Fleisch“ sagte sie. „Und was noch?“ fragte ich. „Eigentlich nichts. Nur Fleisch“. Wirklich überrascht war ich nicht, denn, wie gesagt, mir war schon vorher aufgefallen, dass die Zahl unserer gemeinsamen Interessen und Geschmäcker nicht gerade herausragend hoch war. Ich überlegte. Wo um Himmelswillen gibt es „nur Fleisch“? Mir fiel das griechische Restaurant ein, das ich zuletzt Mitte der Achtziger besucht hatte. Der Grillteller dort verzichtete, so erinnerte ich mich, auf jedwede Form der Beilage und das Lokal war von meiner Wohnung aus gut zu Fuß zu erreichen. Also schlug ich ein Treffen bei mir vor, um dann gemeinsam in das Restaurant zu gehen.

Ich ging zu meinem Kleiderschrank und fragte mich, was man wohl anzieht, wenn man mit einer Frau verabredet ist, die aussieht, als könne sie jederzeit eine geladene Waffe aus Ihrem Lederholster ziehen, um einen feindlichen Agenten auf der Hildesheimer Straße zu eliminieren. OK, in die alte Lederhose müsste ich mich noch quetschen können und dazu das enge olivgrüne T-Shirt. Geht doch: ich sah aus, als wäre ich ein, zumindest entfernter Verwandter der Dame.

Eine viertel Stunde später klingelte es. Ich drückte den Türsummer und stand wartend in meiner „wir-jagen-fiese-Verbrecher-Verkleidung“ an meiner Wohnungstür im zweiten Stock. Ich hörte Schritte auf der Treppe, doch ehe ich etwas sah, schlug mir etwas völlig unerwartetes ins Gesicht: der schwere Duft eines lieblichen Parfums, der die Treppe hinauf eilte, lange bevor dessen Trägerin zu erblicken war. Es war diese Art von Parfum, mit dem die Frauen in den siebziger Jahren Duftmarken setzten, die noch Stunden nach Verlassen des Raumes an ihre Anwesenheit erinnerten. Meine Augen begannen zu tränen und sah nur durch einen Schleier, wer dort die Treppen hochstieg. Ich rieb mir die Augen, schaute sie von oben bis unten an, schaute mich von oben bis unten an (zumindest soweit man sich selbst ‚nach oben’ anschauen kann) und meine Gesichtszüge entgleisten.

Da stand nicht Lara Croft vor mir, sondern eine mit Goldschmuck und Edelsteinen behängte blonde Frau im Business-Kostüm nebst pfennigbeabsatzten Pumps. Mir wären jetzt ungefähr 1,3 Sekunden geblieben, um mein Outfit dem ihren anzupassen. Zu spät. Sie begrüßte mich, ich rang um Fassung und Sauerstoff.
„Am Besten, wir setzen uns noch einen Moment auf den Balkon“, hörte ich mich sagen, in dem verzweifelten Wunsch wieder normal Atmen zu können. „Vielleicht etwas kalt dort“ antwortete sie. Verdammt, musste Anfang März denn auch wirklich noch Schnee liegen!? Also nahmen wir einen schnellen Drink vor dem Kaminofen und wenig später sah man ein sehr seltsames Paar eine Hauptverkehrsstraße im Süden Hannovers entlang spazieren.

Der Rest des Abends war entgegen meiner Erwartung noch ganz amüsant. Ich schmeckte zwar von den Fleischbergen angesichts des olfaktorischen ‚Kampfmittels’ überhaupt nichts, habe dabei aber wohl auch nichts verpasst. In den zwei Stunden, die wir miteinander verbrachten, erfuhr ich nicht nur, dass sie ihre Brüste vergrößern lassen hatte und auf Gesäßimplantate sparte, sondern entdeckte sogar eine Gemeinsamkeit: wir schauten gern Harald Schmidt. Na, wenn das nicht der Anfang einer großen Liebe ist....

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