preview200

kaffaej

Dienstag, 5. April 2005

kaffäj

„Einen Kaffee bitte“, bestellte die ältere Dame vor mir. Ich stand in der Schlange am Tresen einer dieser Coffee Shops, in denen es keine THC-haltigen Rauchwaren, dafür aber diverse Heißgetränke zu erwerben gibt. Da ich mich im Gedanken gerade mit der bevorstehenden Änderung meines Lebensjahrzehnts beschäftigte, fanden diese Worte erst den Weg in mein Bewusstsein, als die junge Frau hinter dem Tresen, zwar vordergründig freundlich, aber mit etwas zu schriller Stimme fragte:
„Einen caffè latte, einen caramel macchiato, caffè mocha oder caffè americano?”

Die alte Dame schaute irritiert und verunsichert. „Entschuldigung“, entgegnete sie, „aber haben Sie keinen Kaffee?“
Ich schaute auf und fragte mich, ob die sehr junge Bedienung wusste, was mit „Kaffee“ gemeint war.

Was wurde eigentlich aus dem „Kaffee“? Als ich noch Kind war, bestellten meine Eltern davon eine Tasse oder (draußen nur) Kännchen. Mit dem Einzug der italienischen Gastarbeiter kam auch der Cappuccino nach Deutschland, den zwar niemand schreiben konnte, aber das war ja auch nicht Sinn der Sache. Der urbane Mensch bestellte lässig einen „Kappu“ und schlürfte vom frühen Morgen bis spät in die Nacht das Ergebnis hochdruckdurchspülten dunkelbraunen Espressopulvers mit, unter ohrenbetäubendem Lärm hergestellten, Milchschaums. In Kneipen die nicht nur mit verqualmter Luft, sondern auch mit Philosophiestudenten gefüllt waren, wurde dagegen meist Café au lait ausgeschenkt. Weniger francophile und intellektuelle Naturen durften auch schon mal einen Milchkaffee bestellen.

Aber irgendwann war er plötzlich war er da, der neuerliche Auswuchs überseeischen Kulturimperialismus'ses. Eigentlich italienischen Ursprungs, aber amerikanisch annektiert kreischten die Mahlwerke und die Aufschäumdüsen nicht mehr bei „Angelo“ oder „Francesco“, sondern in cool gestylten Bars mit Selbstbedienung und Pappbechern. Diese Becher waren es wohl auch, die als „Coffee to go“ die Botschaft in alle Ecken zumindest städtischer Kultur brachten. „Schaut“, sagten sie: „man trinkt jetzt im Gehen und sagt „Kaffäj“.

Mit den Lebensgewohnheiten ändert sich also auch die Sprache. Leider sind Teile der Bevölkerung allzu oft von Informationen gesellschaftlicher Neuerungen abgeschnitten. Das betrifft in erster Linie ältere Menschen und solche, die auf dem Land leben. Nun bin ich ja Profi, was veränderte Sprache betrifft und eilte der alten Dame bei ihrer Bestellung zur Hilfe: „Einen Caffè latte regular decaf for to stay, bitte“ orderte ich souverän.

Ich glaubte eine Träne ich dem Gesicht der alten Frau zu sehen, als sie mit Ihrem Pappbecher auf einem Sessel am Fenster saß und lächelnd auf die Straße schaute.

entre nous

komma.vorbei at gmx de rss-feed

jüngstes

Na, dann hammas ja!
Na, dann hammas ja!
frau_floh - 14. Apr, 14:57
Scheißegal
"Und kost' der Sprit auch 3 Mark 10 - scheißegal,...
komma.vorbei - 7. Jul, 10:12
Kreuzung
Dass DB-Fahrräder beim Ende der Anmietung an einer...
komma.vorbei - 13. Mai, 14:29
Berlin-Marathon 2007
Das wurde aber auch endlich mal ZEIT:
komma.vorbei - 17. Okt, 16:09
Hatte ich noch gar nicht...
Hatte ich noch gar nicht bemerkt. ...wie passend!...
komma.vorbei - 27. Jun, 14:02

lost and found

 

das bist du

Du bist nicht angemeldet.

das bin ich

Online seit 4666 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 14. Apr, 14:57

501
adidas_01
alle jahre wieder
alltaeglicher wahnsinn
auf den blog gekommen
bebildertes
der shopblogger
die perle
dies und das
fleisch
fussball
im kranken haus
kaffaej
no sex and the city
no-go-areas
packstation
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren