lazy sunday

komma.vorbei - 28. Mai, 11:37

Der Hannoveraner ist ja ein hartgesottener Mensch und lässt es sich nicht nehmen, bei 13 Grad und bedecktem Himmel zum Trammplatz zu pilgern, um dem jährlichen Jazzfestival zu lauschen.

Ich lasse Jazzfestival Jazzfestival sein, genieße meinen Kaffee in der Badewanne und träume vom Sommer!

Nein, ich gehöre tatsächlich nicht zu den Männern, die ihr Auto mehr als ihre Freundin lieben, sich mehr mit ihm beschäftigen, als mit ihrer Lebensgefährtin und ihm vor allem mehr Aufmerksamkeit und Begeisterung entgegenbringen. 


Also Wasser aufdrehen und die Wanne vollaufen lassen. Derweil eine Flasche Rotwein entkorken, da zu einem gemütlichen Wannenbad auch ein gemütlicher Rotwein gehört - so dachte ich jedenfalls. Doch spätestens, als meine Füße in das heiße Wasser tauchten, entfaltete sich der mit der Nachbarin eingenommene Alkohol in meinem Hirn und macht mir ganz und gar unangenehme Gefühle. Ich überlegte noch, ob es vielleicht die Nachbarin sein könnte, die mir im Kopf herumschwirrte, schloss das dann aber aus. 
Allerdings fürchte ich, die Kleingruppe könnte auf den falschen Wagen zumarschieren. Mir ist es ein absolutes Rätsel, wie die ihr Fahrzeug wiederfinden wollen. Schließlich stehen hier ca. 93% Kombis und von diesen sind wiederum 64% schlammfarben (zumindest Ende Februar). 42% haben einen Aufkleber "Baby an Bord" und 87% Sonnenblenden mit Bärchenaufdruck in den Seitenfenstern der Rückbank.
Konzentration ist wirklich alles bei so einem Einkauf. Leider arbeitet der Gegner mit unfairen Mitteln und wenn eine übergewichtige Mutter in Leggins zum dritten Mal "Schantalle, komm jetzt her" durch die Schlafzimmerdekoration brüllt und eine Studentin im Pipi-Langstrumpfkostüm einen Zweijährigen zum Schreien bringt, ist die Gefahr riesig, vom direkten Weg abgelenkt zu werden. So fiel mein Blick dann auch ungeplant auf die pinkfarbenen Klobürsten "VIREN", und ich befürchtete allein vom Anblick dieser Scheußlichkeit die Vogelgrippe zu bekommen!
So erging es wohl auch der jungen Frau ein paar Meter neben mir. Sie sah nicht so aus, als hätte sie jemals auf dem Bau gearbeitet, aber das Umpacken der schweren Kartons vom Regal auf ihrem Wagen, bei dem immer wieder ihr Arschgeweih zum Vorschein kam, fiel ihr offensichtlich äußerst schwer. Ich drehte mich um und erwartete jeden Moment, dass ihr Mann, ein Kleinkind im Schlepptau, helfend eingreifen würde, aber sie war offenbar allein. Das war die Gelegenheit, um mit ihr ins Gespräch zu kommen und ich eilte in ihre Richtung, um gönnerhaft meine Hilfe anzubieten.
Kurz bevor ich mein Ziel erreichte, schaute ich auf ihren Einkaufswagen und erstarrte: zwei künstliche Efeutöpfe ließen ihre schrecklichen Nylonblätter hängen. Nein, wer so etwas kauft, stellt sich selbst ins gesellschaftliche Abseits und hat jeden Anspruch auf Hilfe verspielt. Alles, was Recht ist, aber gruseliger sind nur noch Pierrot-Figuren aus Porzellan. Die stehen vermutlich bei ihr zu Hause in der Vitrine gleich neben den Tieren aus geschliffenem Glas!
Als ich endlich auch bezahlt hatte und, ähnlich dem Wagenrennen in "Ben Hur", meinen Einkauf durch die Massen zum Ausgang manövriert hatte, wurde mir beim Anblick hunderter Kombis im Parkhaus ganz übel. Nein, mein Auto hier zu finden, dürfte kein Problem sein. Ganz anders sah das allerdings mit dem Verstauen der 1,80 m langen Pakete aus. Mir wurde klar, dass zwar ein 1,80 großer Mensch auf den Beifahrersitz meines Zweisitzers passt, dieser aber erstens nicht 80cm breit ist und sich vor Allem nicht so steif macht!